Sommerfrische

Gartenplanerin Gabriele Schabbel-Mader nimmt uns mit auf eine kulturelle Reise zum Ursprung und zur Bedeutung der traditionellen "Sommerfrische".

Sommerfrische ist die Leichtigkeit des Seins, Heiterkeit, Unbeschwertheit, offen sein für den Moment…

Es bedeutet einen Aufenthalt und einen schönen Ort im Freien, aber ist auch eine Geisteshaltung.

Der vor allem im 19. Jahrhundert verbreitete Begriff „Sommerfrische“ wird im Wörterbuch der Brüder Grimm definiert als „Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit“ oder „Landlust der Städter im Sommer“. Bereits im 1.Jahrhundert hat Plinius detailliert beschrieben, wie gut es tut einige Sommertage im Jahr auf dem Land zu verbringen. Die Medici- Villen aus dem 15. bis zum 17. Jahrhundert in den Vororten von Florenz gebaut, waren Sommerhäuser. Denn der in Florenz durchfließende Arno war im Sommer eine stinkende Kloake und die Gefahr der Seuchenbildung war groß. Ab dem 19. Jahrhundert wurde das Leben in der freien Natur entdeckt. Die Maler malten im Freien, sie hielten ihre Eindrücke (Impressionen) der unterschiedlichen Lichtstimmungen fest. Einer der ersten war Claude Monet, nach seinem Bild Impression wurde das neue Genre der Malerei benannt. Von Juni bis Ende August zogen die wohlhabenden Bürger mit Kindern und Dienstboten aufs Land, entweder in ein eigenes Haus oder mieteten sich bei Einheimischen ein.

Eine freie Zeit begann, die gesellschaftlichen Zwänge wurden gelockert, mehr und mehr Aktivitäten draußen, Picknicks zum Beispiel. Es begegneten sich auch durchaus einmal die verschiedenen sozialen Schichten, die einheimischen Kinder und die Besucherkinder spielten zusammen. Thomas Mann schreibt in den Buddenbrooks von der zarten Liebesgeschichte zwischen Tony und Morten, dem Sohn des Kapitäns, bei dem sie in Travemünde einquartiert war. Die Saison auf Long Island, dem „Sylt“ der New Yorker dauert vom letzten Montag im Mai (Memorial Day) bis zum ersten Montag im September (Labour Day). Orte wie Bargteheide und Ahrensburg, an der 1865 eröffneten Bahnstrecke zwischen Hamburg und Lübeck gelegen, waren ideale Sommerfrischen, weil die Familienväter, die ja nicht so viel Urlaub hatten, in der Woche in der Stadt blieben und am Wochenende aufs Land zu ihren Familien kamen. Die Bäderarchitektur von Rügen und Usedom sind ebenfalls Ausdruck dieser Freude an der Natur und des freien Lebens, die moderne Freizeitgesellschaft war begründet.

Damals wie heute ist die Sommerfrische eine einzigartige Möglichkeit abzuschalten, dem Stress zu entkommen, Verpflichtungen hinter sich zu lassen und die Stille der Ländlichkeit zu genießen.

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