Keramik: Tonware, Steinzeug und Porzellan

September 20, 2019 5 Minuten geschätzte Lesezeit

Keramik und Steingut

Wir lieben Geschirr

Bunt und fröhlich verschönert es jede Mahlzeit und schmückt unseren Tisch. Wie unterscheiden sich Keramik und Steingut von Steinzeug und Tonware? Was sind Sinterzeug und Irdengut? Und warum ist Porzellan so fein und transparent? Wir wären nicht Gustavia, wenn wir nicht auch einen Blick in die Welt und die Geschichte von Keramik werfen würden. Gehen Sie mit uns auf Entdeckungsreise.

Weißes Gold: Porzellan



Porzellan hat eine helle Grundfarbe, ist aber deutlich teurer als Steingut und Tonware. Sein Hauptbestandteil ist Kaolin, ein feines, weißes Pulver aus Kaolinit, einem Verwitterungsprodukt des Feldspats. Die Unterscheidung von Porzellan in Hart- und Weichporzellan liegt im Kaolin-Anteil: Je größer er ist, desto härter ist das Porzellan. Kaolin enthält keinerlei Eisenanteile. Das macht Porzellan so zart und lichtdurchlässig.

Diese feine Wandstärke und Halbtransparenz sind vor allem bei Bone China augenmerklich. Wenn dem Grundgemisch Knochenasche hinzugefügt wird, erhöhen sich Transparenz und Glanz des Porzellans. Porzellan wird flüssig gegossen und ist nach dem Brennen bei sehr hohen Temperaturen von 1300-1450 Grad C° trotz seiner Zartheit sehr robust, deutlich härter als seine weichere Schwestern Ton und Steinzeug.

Jahrhundertealte Geschichte von Porzellan: Ming und Meißen

Die Chinesen kannten „das weiße Gold“ schon im 17. Jahrhundert vor Christus, also vor rund 3000 Jahren! Seine höchste Qualität erreichte chinesisches Porzellan zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert: Die Ming-Dynastie des Kaiserreichs China in der Zeit von 1368-1644 ist noch heute für ihr besonderes Porzellan berühmt. Marco Polo lernte Porzellan schon um 1300 auf seinen Reisen kennen. Doch erst im 16. Jahrhundert fand es in Europa Einzug, zur Zeit der Renaissance, als Botticelli und Michelangelo, Raffael und da Vinci, Shakespeare und Alighieri dieser Epoche zum Namen Wiedergeburt verhalfen.

Die erste europäische Produktionsstätte für Hartporzellan entstand 1708 im sächsischen Meißen. Noch heute steht der Name für höchste Qualitätsware, und Großmamas Meißner Porzellan sind geliebte Familienstücke. Eine noch größere Schwäche haben wir für die farbenfrohen Keramiken aus Steingut und Tonerde. Darum betrachten wir ihre Geschichte und Eigenschaften folgend näher.

Jahrhundertealte Geschichte von Tonware: Portugal, Mallorca und Holland

Schon im 13. Jahrhundert brachten die Mauren bunte Fliesen nach Portugal, die sogenannten Azulejos. Bei diesen bunten Zierkeramiken handelt es sich um zinnlasierte Irdenware. Die „kleinen polierten Steine“ gelten noch heute als typisch für portugiesische Kultur. Die für Mallorca typische Majoliken sind nach der altitalienischen Bezeichnung des Mittelmeer-Eilands benannt.

Ursprünglich bezeichnet Maiolika die zinnglasierte italienische Keramik aus dem 15./16. Jahrhundert, heute aber auch generell die bunt glasierten Tonwaren aus Mallorca. Die Holländer wiederum fanden vor 400 Jahren eine Methode, das begehrte chinesische Vorbild Porzellan nachzuahmen: Delfter Porzellan.

Im 17. Jahrhundert explodierte die Anzahl Delfter Keramikbrennereien förmlich. Die Holländer exportieren ihr wertvolles Porzellanimitat von Delft bis nach Boston und sogar Curaçao.

Zwei Klassen: Sinterzeug und Irdengut

Der Name Keramik leitet sich aus dem griechischen Wort keramos ab, was so viel wie Tonminerale bedeutet. Keramik unterteilt sich in zwei Klassen:

Als Sinterzeug wird gebrannte, dichte Keramik bezeichnet, wie beispielsweise Porzellan und Steinzeug.

Irdengut ist hingegen porös. Dazu gehören Baukeramik, feuerfestes Irdengut wie Kamine, Tonware und Steingut.

Der feine Unterschied: Das Grundmaterial

Tonware besteht aus Ton, Quarz und Feldspat. Der hohe Eisenanteil ist Grund für den typischen roten Farbton. Steingut besteht zwar aus dem gleichen Grundgemisch wie Tonware, enthält aber weitere mineralische Partikel.

Es hat eine weiße bis elfenbeinfarbene Grundfarbe. Beide, Tonware wie Steingut, sind nach dem Brennen bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen von 900-1300 Grad C° noch porös.

Ein Blick hinter die Kulissen von Mateus: Die Rohware ist bereit für den Ofen, Abgießen des überschüssigen Materials aus den Positiv-Formen und unbearbeitete Tonstücke vor der Weiterverarbeitung.



Steinzeug: Hält Lebensmittel frisch.

Steinzeug hingegen ist nach dem Brennen auch ohne extra Glasur und zweiten Brennvorgang wasserdicht, da sein Grundmaterial mit einer Glasur, in die es zuvor getunkt wird, vollständig verschmilzt. In Sandstein, dem Basismaterial für Steinzeug, finden sich natürliche mineralische Stoffe – lebensmittelfreundlich und temperaturausgleichend. 

Darum findet das urig-gemütliche Steinzeug oft seinen Einsatz als Vorratsdosen, Krüge und Schalen. In den Senfdosen unserer Manufacture de Digoin zum Beispiel und ihren Ölflaschen, die seit 100 Jahren gleichen Design erhältlich sind, bleibt der Inhalt wunderbar frisch und kühl.

Diese kleine Manufaktur gewinnt ihren hochwertigen Sandstein aus dem Keramik-Tal im Burgund, dem „Vallée de la Céramique“, wo sie seit 150 Jahren ihren Firmensitz hat.

Schon fast selbst ein Kunstwerk: Die verwittert aussehenden Gußformen von Manufacture de Digoin. Aus den zweiteiligen Formen können später die Schalen entnommen werden und bekommen durch die Glasur ein feines Finish.





Im Fokus: Manufacture de Digoin

Die Mitarbeiter der französische Manufacture de Digoin, 1875 gegründet, formen und glasieren ihre langlebige Geschirr noch heute von Hand. Das macht jedes dieser Steingutexemplare zum Unikat. Als eine der wenigen Manufakturen nutzt sie wie eh und je die einzigartige Sandsteinpaste aus der Loire-Region. 

Geschäftsführerin Corinne Jourdain weiß: Die natürlichen Mineralien dieses Sandsteins sind nicht nur temperaturausgleichend, sondern auch besonders lebensmittelfreundlich. Das Steinzeug bleibt bei Gebrauch unverändert, nimmt keinen Geruch an. Da die Glasur bei besonders heißen Temperaturen aufgebrannt wird, erhält sie einen außergewöhnlichen Glanz.

Rustikal und zugleich elegant, farbenfroh und zugleich zurückhaltend: Nous l´aimons.

Tonware: am liebsten kunterbunt statt Ton in Ton

Keramik aus Tonware bleibt porös, bis bei niedrigen 100 Grad eine dünne Glasurschicht aufgeschmolzen wird. Die feinen Haarrisse in der oft farbenfrohen Glasur sind übrigens gewollt. Man spricht von einem Krakelee-Effekt. Wir kennen das zum Beispiel von unserem bunt-fröhlichen Geschirr der Mateus Ceramics Manufaktur.

Die Bemalung mit der Hand ist ein Markenzeichen von Mateus. Sorgfältig werden die Pigmente gemischt und die Farben aufeinander abgestimmt. Kleine Abweichungen und ein sichtbarer Farbauftrag sind dabei durchaus gewünscht, denn sie geben dem Geschirr seinen unverwechselbaren Charakter.



Im Fokus: Mateus

Gründerin Teresa Mateus Lundahl stammt aus Portugal, wo Keramik auf eine lange Geschichte blickt. Mateus Ceramics führt diese seit 1993 als portugiesisch-schwedische Liebesgeschichte farbenfroh weiter. Dass sie in Schweden lebt, spiegelt sich in ihren Designs wie der Basic Collection wider. Ihre Tochter Filippa bringt sich seit einigen Jahren mit wundervollen, lebensbejahende Kollektionen der verspielten Bubbles-Serie ein. Mateus´ Organic-Reihe besticht widerum durch rustikale Schlichtheit. Die Lace-Serie fällt durch liebevolle, erhabene Ziererei auf.

Den feinkörnigen Ton gewinnt Mateus aus den ursprünglichen Böden des zentral und nördlich gelegenen Portugals. Er enthält keinerlei giftigen Schwermetalle wie Blei oder Cadmium und erfüllt damit sogar die strengen Anforderungen der US Food and Drug Administration, FDA. Alle Stücke sind robust, mikrowellen- und spülmaschinenfest. Wir mischen unsere Mateus-Stücke munter nach dem Mix-and-Match-Prinzip.

Auch deswegen können wir sie ein Leben lang im Einsatz haben. Darüber hinaus machen eine klare „No plastic policy“ und kurze Versandwege Mateus zu einer ökologischen Wahl. Nachhaltig und wunderschön.


Keramik und Steinzeug bei Gustavia

Platte Bubbles

Mit der üppigen Bubbles-Platte von Mateus lässt sich ein besonderes Festessen toll in Szene setzen.

Essig- und Ölspender

Der urige Essig-und Ölspender von Manufacture de Digoin bringt ein Stück Franreich zu Ihnen nach Hause.

Becher Lace

Egal ob Wasser oder Wein - der Lace Becher von Mateus ist ein exquisites Highlight auf jeder Tafel.





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