Die Sommerfrische: Landlust statt Tourismus

August 21, 2017 2 Minuten geschätzte Lesezeit

Die Sommerfrische: Landlust statt Tourismus-Selection Gustavia

Sommerfrische ist die Leichtigkeit des Seins, Heiterkeit, Unbeschwertheit... im Sommer sind wir offen für den Moment.

Sommerfrische. Das bedeutet sowohl Aufenthaltsdauer als auch ein schöner Ort im Freien, aber der Begriff steht auch für eine Geisteshaltung. Vor allem im 19. Jahrhundert war er sehr verbreitet. Im Wörterbuch der Brüder Grimm wird Sommerfrisch  als „Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit“ oder „Landlust der Städter im Sommer“ definiert.

Bereits im 1. Jahrhundert hat Plinius detailliert beschrieben, wie gut es tut, einige Sommertage im Jahr auf dem Land zu verbringen. Die Medici-Villen, die vom 15. bis zum 17. Jahrhundert in den Vororten von Florenz entstanden, waren als Sommerhäuser gebaut. Denn der Arno, der durch Florenz fließt, verwandelte sich im Sommer zu einer stinkenden Kloake. Die Gefahr der Seuchenbildung war groß.

Im 19. Jahrhundert entdeckten die Menschen für sich das Leben in der freien Natur ganz neu. Plötzlich arbeiteten Maler im Freien an ihren Kunstwerken: hier hielten sie ihre Eindrücke (Impressionen) der unterschiedlichen Lichtstimmungen fest. Einer der ersten war Claude Monet. Nach seinem Bild "Impression" wurde das damals völlig neue Genre der Malerei benannt.

Von Juni bis Ende August zogen die wohlhabenden Bürger mit Kindern und Dienstboten aufs Land. Dort wohnten sie entweder im eigenen Haus oder sie mieteten sich bei Einheimischen ein. Eine freie Zeit begann, die gesellschaftlichen Zwänge wurden gelockert, mehr und mehr Aktivitäten wurden nach draußen verlegt - Picknicks zum Beispiel. Hier begegneten sich auch verschiedene soziale Schichten. Die einheimischen Kinder spielten mit den Besucherkindern gemeinsam. Thomas Mann schreibt 1901 in seinem Gesellschaftsroman "Buddenbrooks" von der zarten Liebesgeschichte zwischen Tony, der Tochter der Buddenbrooks, und Morten, dem Sohn des Kapitäns, bei dem sie in Travemünde einquartiert war.

Die Saison auf Long Island, dem „Sylt“ der New Yorker, dauert vom letzten Montag im Mai (Memorial Day) bis zum ersten Montag im September (Labour Day). Orte wie Bargteheide und Ahrensburg, die an der 1865 eröffneten Bahnstrecke zwischen Hamburg und Lübeck lagen, waren ideale Sommerfrischen, auch weil die Familienväter damals nicht viel Urlaub hatten. So konnten sie die Woche in der Stadt verbringen und am Wochenende ihre Familien auf dem Land besuchen. Die Bäderarchitektur von Rügen und Usedom sind ebenfalls Ausdruck dieser neuen Freude an der Natur und des freien Lebens. Somit war die "Moderne Freizeitgesellschaft" begründet.

Damals wie heute ist die Sommerfrische eine einzigartige Möglichkeit abzuschalten, dem Stress zu entkommen, Verpflichtungen hinter sich zu lassen und die Stille der Ländlichkeit zu genießen. 

Fritz von Uhde - Heideprinzeßchen 1889

Das Frühstück im Grünen - Claude Monet 1865


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