Apfel ist Apfel, oder?

Oktober 25, 2018 4 Minuten geschätzte Lesezeit

Apfel ist Apfel, oder?-Selection Gustavia

Apfel ist Apfel, oder?

Nur wenige Kilometer von unserem kleinen Ladengeschäft in Hamburgs Neustadt entfernt – am anderen Elbufer – befindet sich Deutschlands größtes Apfel-Anbaugebiet, das Alte Land.

Im Frühjahr erstrahlt das Land hinterm Elbdeich in zarten Rosatönen, wenn die Apfel-und Kirschbäume blühen. Aktuell im Oktober dominieren Rot, Gelb und Orange. Nach dem langen und sehr warmen Sommer fällt die Apfelernte in diesem Jahr besonders hoch aus. Dies nehmen wir  zum Anlass, die Vielfältigkeit des Apfels und damit die vielen verschiedenen Apfelsorten, die vor unserer Haustür gedeihen, genauer anzuschauen. Denn wie Sie gleich selbst merken werden: Apfel ist nicht gleich Apfel!

Während wir mit der Fähre von Wedel nach Lühe fahren, nehmen wir uns die Zeit für einen kleinen Gedankenausflug in die Altländer Geschichte. Windmühlen, weiße Zugbrücken, schnurgerade Gräben und Backsteinhäuser mit bunt bemalten Giebeln – klingt nach einer Beschreibung von Holland? Stimmt fast, denn die Holländer haben bereits im 12. Jahrhundert das Alte Land besiedelt. Sie machten mit ihrem Wissen über den Deichbau das Land bewohnbar. Und woher der Name? Im Zuge der Urbanisierung wurde das bearbeitete Land „Altes Land“ und das nicht bearbeitete Land „Neues Land“ genannt. Nachdem alle Entwässerungsgräben gezogen, Brücken, Kirchen und Häuser erbaut waren, hieß das gesamte Gebiet Altes Land. Und das bis heute!

Der Obstbau im Alten Land war ursprünglich eher ein Nebenverdienst von ihren kleinen Gartenflächen, mit dem die Kleinbauern, Handwerker, Fischer und Händler ihren Lebensunterhalt aufbesserten. Diese Art der Spezialkultur ist bis in das 14. Jahrhundert zurück verfolgbar.

Heute ist das Alte Land das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas. Mit einer Obstanbaufläche von etwa 10.000 Hektar, auf der der Apfelanbau mit etwa 90 Prozent vorherrscht, werden jährlich 250.000 Tonnen Äpfel, Birnen, Süß- und Sauerkirschen sowie Pflaumen und Zwetschgen geerntet.

Der Apfel hat im Alten Land also eine große Bedeutung und damit auch die unterschiedlichen Sorten des schmackhaften Vitaminspenders.

Der beliebteste Apfel im Norden ist der Elstar. Ein Allrounder unter den rotbackigen Vitaminboten. Sein saftiges, weiß-gelbliches Fruchtfleisch hat einen intensiven Geschmack und schmeckt als Saft, in Kuchen oder Obstsalat – bei guter Lagerung hält sich der Apfel bis Ende Mai! Der Elstar ist noch gar nicht alt: 1975 wurde er erst verbreitet und besteht aus einer Kreuzung von Golden Delicious und Ingrid-Marie.

Holsteiner Cox

Zu den alten Apfelsorten zählt der Holsteiner Cox. Er ist gut an der rostig-braunen Partie rund um den Stielansatz erkennbar. Der säuerlich, aromatisch-würzige Geschmack ist ähnlich wie beim Cox Orange. Aufgrund seiner Größe (bis zu 15cm Durchmesser) eignet er sich ideal als Bratapfel.

Zu den bekanntesten alten Apfelsorten, die typisch für Norddeutschland sind, zählt der Finkenwerder Herbstprinz. Die mittelgroßen, teils rot gestreiften Früchte schmecken kräftig würzig und leicht säuerlich. Der Herbstprinz schmeckt sehr gut pur, aber auch zu Saft gepresst oder als Dörrobst.

Mit ihrer auf der Sonnenseite leuchtend dunkelroten Schale ist die Apfelsorte Ingrid-Marie ein beliebter Weihnachtsapfel. Ein guter Tafelapfel, der mit seinem süß-säuerlichen Geschmack besonders köstlich im Oktober schmeckt und sich auch sehr gut für Mus oder Kompott eignet.

Der Boskoop zählt zu den wenigen noch weit verbreiteten alten Apfelsorten. Charakteristisch sind seine Größe und die raue rötliche Schale, die mit einem leichten Rost überzogen ist. Der herb säuerliche Geschmack macht sich perfekt in Apfelkuchen oder Most.


WIngrid-Marieährend wir im Norden Deutschlands den Apfel meist einfach so oder in Kuchen oder Saft verarbeitet genießen, bietet die knackige Frucht mit ihren vielfältigen Geschmacksrichtungen noch jede Menge andere Möglichkeiten. Unser Weg führt nach England und Frankreich, wo der Apfel in Form von Cider bzw. Cidre genossen wird.

Cidre findet seinen Ursprung u.a. im 13. Jahrhundert in der Normandie, im Norden Frankreichs. Für die Herstellung wird auf Apfelsorten mit hohem Tanningehalt zurückgegriffen. Bei nur 4-15 Grad Celsius findet in einem Fass die Fermentierung statt, was einen wesentlichen Einfluss auf das Aroma hat. Sobald der Zucker fast vollständig durch die Hefe umgesetzt ist, wird der Cidre in neue Fässer umgefüllt und die meisten Hefe- und Schwebstoffe verbleiben im alten Fass. Das neue Fass wird ohne Lufteinschluss dicht verschlossen. Durch die Fermentation des restlichen Zuckers entsteht die Kohlensäure. Der Cidre ist haltbar gemacht. Durch die weitere Zugabe von Zucker kann der Alkoholgehalt noch gesteigert werden.

Die französischen und belgischen Varianten sind der eher herbe Cidre brut mit ca. 5 % und der süßliche Cidre doux mit nur etwa 2,5 % Alkoholgehalt. Cidre trägt in Frankreich die Bezeichnung Cidre Bouché und ist zudem Ausgangsprodukt für die Destillation des Calvados.

In Frankreich ist Cidre hauptsächlich in Sekt-oder Weinflaschen erhältlich. Typischerweise wird der prickelnde Apfelwein in einem passenden Weinglas serviert.

Deutlich bodenständiger verhält es sich beim Cider unserer englischen Nachbarn. Die Herstellung ähnelt sehr der französischen Variante, da ihr Ursprung ja auch in der Normandie liegt. Jedoch unterscheidet sich Cider maßgeblich im Alkoholgehalt. Mit bis zu 12 % liegt der Apfelwein bei den Briten weit über der französischen Variante. Zudem ist Cider dadurch weniger spritzig und wird somit auch wie Bier in den Pubs aus dem Zapfhahn in einem Bierglas serviert.

Unsere „Apfelexkursion“ vom Alten Land über Frankreich und England führt uns abschließend zurück nach Deutschland, genauer gesagt nach Hessen. Denn auch hierzulande genießen wir Apfelwein – „Ebbelwoi“ genannt. Dieser wird in einem „Gerippten“ aus einem „Bembel“ serviert, ein geripptes Glas und ein traditioneller blau bemalter Tonkrug. Mit 5-7 % Alkoholgehalt ähnelt der heimische Apfelwein dem französischen Cidre.

Ein Apfel ist also nicht gleich ein Apfel. Vermutlich könnten wir noch unzählige Seiten mit Rezepten und Geschichten über die verführerische Frucht füllen. Nicht umsonst sind Adam und Eva schwach geworden.

Wenn Sie jetzt Appetit auf ein leckeres Apfelrezept haben, probieren Sie doch mal Äppelskivor, auch Apfel-Förtchen genannt aus – zum Rezept geht es hier entlang.

Für Apfelkuchen, Cider & Co. haben wir Ihnen hier eine passende Auswahl an Produkten aus unserem Shop zusammengestellt.



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